Ulm (Stadt) | 07.10.2009
„Wie ist eigentlich der riesige Helikopter in die Sparkasse gelangt?“ – diese Frage stellen sich zurzeit viele Passanten und Kunden, die am Forum der Sparkasse Neue Mitte vorbeikommen. Des Rätsels Lösung: Bei dem Helikopter handelt es sich um einen Eurocopter EC 145, besser bekannt als gelber ADAC-Rettungshubschrauber, der in drei Teile zerlegt werden kann.
Auf diese Weise ist es den Organisatoren des Internationalen Notärzte-Kongresses TraumaCare 2009 gelungen, den Korpus, das Heck und die Rotorblätter des Helikopters zunächst, unabhängig voneinander, vorsichtig durch die Pforten der Sparkasse Neue Mitte zu transportieren, um im zweiten Schritt die drei Bauteile im Gebäudeinneren zusammenbauen zu können. Am heutigen Freitag (8 bis 16.30 Uhr) sowie am Samstag und Sonntag (jeweils von 8.30 bis 16 Uhr) haben Interessierte die Möglichkeit, Teilnehmern von TraumaCare 2009 bei Flugsimulationen über die Schultern zu schauen und einen Blick in das Innere des Helikopters zu werfen.
Das imposante Fluggerät ist sicherlich das aufsehenerregendste Exponat der Ausstellung „Ehrensache Ehrenamt“, mit der die Sparkasse Ulm noch bis zum 4. Oktober den TraumaCare-Kongress 2009 begleitet, zum dem am kommenden Wochenende rund 850 Notärzte aus aller Welt erwartet werden. Der Helikopter ist ein originalgetreues Modell des Eurocopter EC 145. Darüber hinaus ist im Rahmen von „Ehrensache Ehrenamt“ der originale „Ulmer Notfallkoffer“ wie auch der erste hydraulische Rettungsspreizer ausgestellt, der ab 1973 von der Feuerwehr Ulm eingesetzt wurde.
Jede Sekunde zählt
Unfall, Herzinfarkt, Schlaganfall. Im Notfall zählt jede Sekunde. Der Notarzt ist unverzüglich zur Stelle, hat das nötige Equipment dabei, die Logistik funktioniert wie am Schnürchen und jeder Handgriff sitzt. Alles wird getan, um die Überlebenschancen von Unfallopfern so hoch wie möglich zu halten. Die Notfallversorgung in Deutschland ist im internationalen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau und erfordert die perfekte Abstimmung zwischen Mensch und Technik. In der Integrierten Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Ulm werden jährlich rund 45.000 Rettungseinsätze für Ulm und den Alb-Donau-Kreis koordiniert. Vom Notruf bis zur Rehabilitation ist der Prozess der Rettungskette perfektioniert und hilft, überlebenswichtige Zeit zu sparen. Was heute selbstverständlich erscheint, war nicht immer so.
„Wiege der Notfallmedizin“
Bis Ende der 60er-Jahre gab es keine standardisierte Vernetzung der notwendigen Schritte. Unfallopfer oder akut erkrankte Personen mussten zum Hausarzt gebracht und versorgt werden. Wertvolle Zeit verstrich, die nicht selten über Leben oder Tod entschied. Kluge Mediziner forderten, nicht der Notfall-Patient sollte zum Arzt, sondern der Arzt zum Patienten kommen. Der Anstoß zu einer professionellen Notfallmedizin wurde unter anderem 1972 in Ulm gegeben. Der damalige Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses Ulm, Professor Friedrich Wilhelm Ahnefeld, entwickelte ein Standardequipment für Notärzte, den „Ulmer Koffer“, und regte eine Reorganisation des bestehenden Rettungswesens an. Der „Ulmer Koffer“ ist noch heute weltweit im Einsatz.
Ehrenamt trägt die Gesellschaft
Die schnelle und professionelle Versorgung von Menschen in Not wäre in vielen Fällen ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen nicht sicherzustellen. Als qualifizierte Rettungshelfer vor Ort, als Notfallseelsorger oder als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehren, leisten sie bei der Gefahrenabwehr und Lebensrettung wertvolle Hilfe und tragen dazu bei, dass die Rettungskette reibungslos funktioniert. Ehrenamtliche sind in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft aktiv und engagieren sich in ihrer Freizeit kostenlos bzw. gegen eine geringe Aufwandsentschädigung zum Wohl und Nutzen der Menschen. Dabei scheint das bürgerliche Engagement gerade in Baden-Württemberg fest verankert zu sein: Laut Angaben des Statistischen Landesamts von 2004 sind 73 Prozent der Bevölkerung in gemeinnützigen Gruppen und Vereinigungen organisiert (drei Prozent über dem Bundesdurchschnitt), 42 Prozent übernehmen regelmäßig ehrenamtliche Aufgaben.
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