Ulm (Stadt) | 02.04.2009

Prof. Roland Doschka, Kathrin Weishaupt-Theopold, Dr. Brigitte Reinhardt und Manfred Oster
Ulms Neue Mitte glänzt mit einem außergewöhnlichen Dreiklang aus Surrealismus, Avantgarde und romantischer Kunst. Von April bis Mai lädt die Neue Mitte in Ulm zu einem außergewöhnlichen Kunsterlebnis ein und verleiht dem mit dem Deutschen Städtepreis 2006 ausgezeichneten Stadtzentrum zu Recht das Prädikat eines städtischen Kunstraums.
Gleich drei großartige Ausstellungen bedeutender internationaler Künstler – ideal eingebettet zwischen den historischen Kulturgütern Ulmer Münster und Rathaus – sind im Umkreis weniger Gehminuten zu bestaunen. Das Ulmer Museum präsentiert vom 8. März bis 17. Mai 2009 die Sonderausstellung Kosmos und Marionette: Paul Klee und die Romantik. Gleich nebenan wartet die Kunsthalle Weishaupt noch bis zum 7. Juni 2009 mit europäischer Avantgarde der sogenannten ZERO-Künstler auf. Die Sparkasse Ulm ergänzt diese eher zufällige als geplante Kunst-Trilogie in der Neuen Mitte nun mit der Ausstellung Joan Miró – Grafische Werke aus sieben Jahrzehnten. Rund 70 Arbeiten aus allen Lebens- und Stilphasen des Künstlers warten im Foyer der Sparkasse Neue Mitte vom 1. April bis zum 10. Mai 2009 auf die Besucher. Die kleinen Gäste sollen zu einem Malwettbewerb inspiriert werden.
Kunst als sozialer Auftrag
Kunst zu vermitteln und zu fördern, gehört zu den sozialen Aufgaben der Sparkassen. Schon seit vielen Jahren können hiesige Künstler ihre Werke in den Geschäftsräumen der Sparkasse Ulm kostenlos ausstellen. Nicht selten waren diese Präsentationen für
die Aussteller der Start in eine deutschlandweite Karriere. Mit den drei Ausstellungen in Ulms Neuer Mitte ermöglichen die Veranstalter abseits der großen Metropolen den Zugang zu internationaler Kunst. „Wir freuen uns, unseren Teil dazu beitragen zu können, dass sich die Neue Mitte als echter Kunstraum im Herzen unserer Stadt etabliert“, betont der Vorsitzende des Vorstandes der Sparkasse Ulm, Manfred Oster. Dabei übernimmt Kunst nicht nur aus städtebaulicher Sicht eine wichtige Funktion. Kunst schule vielmehr die Sinne der Menschen für Kreativität, Können und Qualität. „Und diese Attribute brauchen wir heute mehr denn je“, so Oster. Ein Blick auf die historischen Baudenkmäler in unmittelbarer Nachbarschaft der Sparkasse Neue Mitte – das Ulmer Münster und das Rathaus – zeugen von handwerklichem Können und künstlerischer Fertigkeit. Miró, der zeitlebens eine enge Verbundenheit an seine katalanische Heimat spürte und durch zahlreiche Auslandsreisen nach China, Japan und Asien erst den Blick für das Wesentliche in der künstlerischen Sprache entdeckte, erinnert, wenn man so will, an diese schwäbische Mentalität. „Auch wir sind bodenständig, weltoffen und einfallsreich. Diese Kombination war und ist der Schlüssel zum Erfolg“, so Oster.
Kunstfertigkeit von Kindern schulen
Insbesondere wendet sich die Ausstellung an Kinder in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis. Deren Kunstfertigkeit und Kreativität zu fördern, hat sich die Sparkasse Ulm auf die Fahnen geschrieben. So sind Kindergärten eingeladen, sich von der Kunst Mirós inspirieren zu lassen. Unter dem Motto „Malen wie Joan Miró“ ruft die Sparkasse Ulm die jungen Besucher auf, sich an einem Malwettbewerb zu beteiligen. Miró, der die Natur um sich herum genau beobachtet und sie mit nur wenigen Strichen und Symbolen kunstvoll dargestellt hat, erinnert immer wieder an Kinderzeichnungen. Dem geschulten Betrachter jedoch wird schnell klar, dass jeder Pinselstrich bewusst platziert ist. Mit dem Malwettbewerb will die Sparkasse Ulm Kinder in der Region auffordern, die Freude an der eigenen Perfektion zu entdecken und es dem großen Maler nachzumachen. Wer den schönsten Vogel zeichnet, wird mit tollen Preisen belohnt. Die Bilder der jungen Nachwuchskünstler sind anschließend in einer Wanderausstellung in den Geschäftsstellen der Sparkasse Ulm zu bewundern!
Joan Miró in der Sparkasse Neue Mitte
Der spanische Maler, Grafiker und Bildhauer gilt als einer den bekanntesten Vertreter des Surrealismus. Joan Miró, am 20. April 1893 als Sohn eines Goldschmiedes und Uhrmachers in Barcelona geboren, experimentierte zunächst mit zeitgenössischen Kunstströmungen, bevor er die einfache Bildsymbolik schuf. Dabei bevorzugte Miró meist die reinen Grundfarben Rot, Gelb, Grün, Blau und Schwarz und erschuf eine perfekte Komposition aus Licht, Form und Farbe. Die Wiederentdeckung des Elementaren als immer wiederkehrendes Moment allen Lebens kann getrost als das ewig Zeitgemäße an Miró verstanden werden. Die Ausstellung in der Sparkasse Neue Mitte widmet sich nach Picasso im Jahr 2007 dem zweiten großen Maler Spaniens und zeigt ausgewählte Exponate aus Mirós Schaffenszeit der 40er- und 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die ihn weltberühmt machten. Interessierten Besuchern bietet die Sparkasse Ulm kostenlose Führungen am Wochenende an. Anmeldungen werden unter 0731 / 101-101 erbeten. Geöffnet ist die Präsentation täglich von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 16.30 Uhr und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.
Paul Klee und die Romantik im Ulmer Museum
Neben der Miro-Ausstellung in der Sparkasse Neue Mitte lädt das Ulmer Museum zur Ausstellung „Paul Klee und die Romantik“ ein. In seinen Bildern erzählt Paul Klee (1879–1940), der sich selbst als romantisch bezeichnete, von Fabeln und Märchen, er entwirft „Kosmische Landschaften“. Ein wiederkehrendes Thema dabei ist das Erscheinen von Engeln, Clowns und mythischen Gestalten. Im Mittelpunkt stehen die Lieblingsmotive des Malers: Landschaft und Figur, Kosmos und Marionette. Sie gehören zu den schönsten Bilderfindungen von Paul Klee. In der Präsentation vereint das Ulmer Museum eine Auswahl von rund 80 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Graphiken aus allen Schaffensphasen des Künstlers und stellt dabei seinen großartigen Klee-Bestand der Öffentlichkeit vor. Die Leihgaben kommen aus international renommierten Museen und Privatsammlungen, dem Zentrum Paul Klee und dem Klee-Nachlass in Bern. Beispielhaft machen Werke von Künstlern wie Carl Blechen, Francisco de Goya, William Blake und Johann Heinrich Füssli die Bildwelten der Kunst der Romantik anschaulich. In einzelnen Werkbeispielen werden gleichgesinnte Künstlerfreunde wie Franz Marc oder Wassily Kandinsky vorgestellt. Mit diesen und mit den literarischen und musikalischen „Romantikern“ befasste sich Klee sein Leben lang. Geöffnet Dienstag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen sind jeweils am Sonntag um 11.15 Uhr, donnerstags um 18 Uhr und dienstags bis samstags jeweils um 14.30 Uhr.
Europäische Avantgarde in der Kunsthalle Weishaupt
In der Kunsthalle Weishaupt schließt sich der Kreis zur Ulmer Kunst-Trilogie. Hier erwartet die Besucher europäische Avantgarde der 50er- und 60er-Jahre. Knapp 50 Werke von ZERO-Künstlern und die Leihgabe „Sandmühle“ von Günther Uecker sind in der ersten Etage des 2007 eingeweihten Kunsttempels ausgestellt. Den Kern der Präsentation bildet der sogenannte „ZERO-Raum“, der rund 20 Jahre nicht mehr öffentlich zu sehen war. Er stammt aus der Privatsammlung des Unternehmers und Kunstfreundes Siegfried Weishaupt. 23 gleichformatige Werke von Yves Klein, Lucio Fontana, Jean Tinguely, des Düsseldorfer ZERO-Gründers Heinz Mack und Otto Piene sind zu sehen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Arbeiten von Günther Uecker, der zeitweilig zur Düsseldorfer ZERO-Formation zählte. Exponate von Dorazio, Graubner, Soto oder Mavignier ergänzen die Ausstellung der ZERO-Bewegung, die auf die Jahre 1957/58 bis 1966 datiert wird. ZERO steht für ein Ausstellungskonzept, das die Künstler Heinz Mack und Yves Klein für die Pariser Galerie „Rive Droite“ entwickelten. Als besonderes Merkmal sollten sieben blaue Monochrome sieben gleichformatigen Aluminiumreliefs als räumliches Vis-à-vis von Farbe und Licht gegenüber hängen. 1990 konnte Siegfried Weishaupt das herausragende Dokument der ZERO-Bewegung erwerben und macht es noch bis 7. Juni 2009 der Öffentlichkeit zugänglich. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr und Donnerstag von 11 bis 20 Uhr.
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