Sigmaringen | 22.12.2011

Prof. Dr. Tobias Häberlein will Studenten konstruktives Lernen beibringen, Foto: Hochschule Albstadt-Sigmaringen
Professor Dr. Tobias Häberlein von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen bekommt 50.000 Euro, um neuartige Lehrformen zu erproben. Er will schwächere Studierende gezielt fördern und sie an die Lernwelt Hochschule heranführen.
Professor Dr. Tobias Häberlein von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen bekommt 50.000 Euro, um neuartige Lehrformen zu erproben. Sein Projekt „Lernwelten“ ist von einer Jury für den „Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre“ der Dieter Schwarz Stiftung ausgewählt worden. Insgesamt werden 16 Vorhaben mit je 50.000 Euro gefördert. Die Baden-Württemberg-Stiftung, die Joachim Herz Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die das Programm gemeinsam ausgeschrieben hatten, finanzieren jeweils fünf weitere Fellowships.
Immer mehr Studierende haben Probleme formalen Denkprozessen zu folgen
Professor Häberlein lehrt an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Kommunikations- und Softwaretechnik. Er freut sich über die Förderung und will nun so schnell wie möglich sein Konzept umsetzen. „Wir haben beobachtet, dass immer mehr Studierende Probleme haben, formalen Denkprozessen zu folgen. Zunehmend entwickeln sie ein passives Verhältnis sowohl zu den vermittelten Inhalten als auch zur Hochschule als Ganzes“, schildert er die Problemlage. „Verstärkt betroffen sind Studierende, die aus einem sozialen Umfeld stammen, das wenig Kontakt zur akademischen Welt hat.“
Misserfolg im Studium aufgrund psychologisch-sozialer Ursachen
Die Ursachen sieht Häberlein von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen weder in mangelnder Intelligenz, noch in Unwilligkeit oder gar Faulheit der Studenten. Die meisten Probleme hätten eher psychologisch-soziale Ursachen. Für den Misserfolg im Studium seien zum großen Teil fehlendes intellektuelles Selbstbewusstsein und eine resignierend-passive Grundhaltung verantwortlich. Dies ist häufig auf frustrierende Lern-Erfahrungen aus der Zeit vor dem Studium zurückzuführen.
Häberlein setzt auf „kommunikative Didaktik“
Der Informatiker von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen setzt auf neuartige Lehrmethoden, genauer gesagt auf „kommunikative Didaktik“. Das bedeutet, dass die Vorlesung als Kommunikations-Situation begriffen wird, in der die pädagogische Aufmerksamkeit verstärkt auf den beteiligten Individuen liegt. Die Methoden sollen zunächst in einer Veranstaltung in Seminarform im zweiten Semester des Studiengangs Kommunikations- und Softwaretechnik erprobt werden.
Diskussion und Kommunikation stehen im Vordergrund
Was bedeutet das konkret? Frontalunterricht wird es nur in Ausnahme-Fällen geben. Diskussion und Kommunikation stehen im Vordergrund. Die Studenten der Hochschule Albstadt-Sigmaringen sollen zum Beispiel ihre Studien-Entscheidung hinterfragen (Habe ich mich bewusst entschieden?), einen Text darüber verfassen, ihre Gedanken vor der Gruppe schildern und sich der Diskussion stellen. Eine weitere Lehrform sieht vor, dass sie an bestimmten Grundlagen-Themen in Zweiergruppen arbeiten, wobei der Lernstand möglichst unterschiedlich sein soll.
Studenten aus höheren Semestern als Tutoren
Entscheidend für das komplette Seminar an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen ist, dass die Teilnehmer Studenten aus höheren Semestern als Tutoren bekommen. Diese sollen positive Vorbilder in Sachen konstruktives Lernen sein. Von dem Fördergeld wird außerdem ein didaktischer Assistent in Teilzeit angestellt. Die Erprobungs-Phase dauert ein Jahr. „Wenn sich die neuen Lehrformen bewähren, sollen sie im Studiengang Kommunikations- und Softwaretechnik zum festen Bestandteil werden. Das ist mein Ziel“, sagt Professor Häberlein von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Das Konzept könnte außerdem problemlos auf andere Studiengänge der Hochschule Albstadt-Sigmaringen übertragen werden.
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