IHK Bodensee-Oberschwaben

Versorgungssicherheit: Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor

Ravensburg | 20.02.2012

Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Rainer Erhard, Mario Schneider und Dr. Sönke Voss, Foto: IHK
Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Rainer Erhard, Mario Schneider und Dr. Sönke Voss, Foto: IHK

Die Auftaktveranstaltung zum IHK-Jahresthema „Energie und Rohstoffe für morgen“ in Weingarten stieß auf großes Interesse. Es ging um die „Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit – Versorgungssicherheit und Materialeffizienz im globalen Markt der Zukunft“.

Bereits heute sind mehr als 90 Prozent aller Industrie-Unternehmen von steigenden oder stark schwankenden Preisen für Rohstoffe und Material betroffen. Maßnahmen wie die Erschließung neuer Lieferanten oder der Abschluss langfristiger Lieferverträge stoßen schon heute oder in naher Zukunft an ihre Grenzen. Seit einiger Zeit stehen die Preise für Energie und Rohstoffe an erster Stelle der Wirtschaftsrisiken, berichtete Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Energie- und Rohstoff-Sicherung zählten zu den Sorgenkindern der Unternehmen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe die IHK-Organisation das Thema „Energie und Rohstoffe für morgen“ als Jahresthema 2012 gewählt. Jany konnte bei der Auftaktveranstaltung zum Jahresthema zahlreiche Wirtschaftsvertreter aus den unterschiedlichsten Branchen begrüßen.

Produkt-Portfolio der ZF erheblich durch Stahl beeinflusst

Heute sei eine Tonne Schrott teurer als eine Tonne Stahl im Jahr 2003, gab Rainer Erhard, Leiter Zentraleinkauf Walzwerkerzeugnisse der ZF Friedrichshafen AG, Schweinfurt, zu bedenken. 2011 sei ein Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielt worden, weitere Umsatz-Steigerungen seien zu erwarten. Das Produkt-Portfolio der ZF sei allerdings erheblich durch Stahl beeinflusst, so Erhard weiter. „Veränderte Rahmen-Bedingungen setzen uns daher unter einen enormen Zugzwang. Eine Eins-zu-eins-Weitergabe der Rohmaterial-Preisveränderungen an unsere Kunden ist nicht möglich“, betonte Erhard. Die ZF Friedrichshafen AG erwarte daher von der Stahlindustrie eine höhere Versorgungs-Sicherung, eine Verbesserung der Qualitäts-Performance, langfristige Verträge, die Entwicklung innovativer Güten und insbesondere Transparenz. Nur so könnten nachhaltig eine störungsfreie Lieferkette garantiert, die Qualitäts-Anforderungen der ZF sichergestellt und das Wachstum des Unternehmens abgesichert werden.

Große Einspar-Potenziale bei Materialkosten

Die „demea“ unterstütze Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Rohstoff- und Materialeffizienz, berichtete Mario Schneider, Leiter der im Jahr 2005 auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie entstandenen Deutschen Materialeffizienz-Agentur. Er informierte die Veranstaltungs-Teilnehmer über das Förderprogramm „go-effizient“. Im produzierenden Gewerbe machten die Materialkosten durchschnittlich 42 Prozent der Gesamtkosten aus, die Personalkosten hingegen lediglich 20 Prozent, gab er zu bedenken. Experten-Berechnungen zufolge gebe es bei den Materialkosten der Industrie allein in Deutschland jährliche Einspar-Potenziale in Höhe von 100 Milliarden Euro. So hätten über das Vorläufer-Programm von „go-effizient“ im Zuge von 1050 bewilligten Beratungen bereits durchschnittlich 210.000 Euro pro Jahr und Unternehmen eingespart werden können. Der Mittelwert der jährlichen Ersparnis aller Unternehmen liege bei einer Prozess-Verbesserung im Bereich von 1,8 Prozent des Umsatzes.

Online-Materialeffizienz-Selbstcheck

Schneider appellierte an die Unternehmer, unter: www.demea.de an einem Online-Materialeffizienz-Selbstcheck teilzunehmen. Anhand der Antworten seien eine erste Analyse sowie eine Prognose zu möglichen Einspar-Potenzialen möglich. Die Hälfte der Effizienz-Vorschläge sei direkt umsetzbar bei Investitionen unter 10.000 Euro, berichtete Schneider. Weitere 20 Prozent erforderten Investitionen unter 50.000 Euro. „Die Amortisationszeiten liegen dabei unter sechs Monaten.“ Die „demea“ arbeite mit einem Pool von rund 200 Beratern zusammen, deren fachliche Kompetenz geprüft worden sei. Rund 95 Prozent der beratenen Firmen, die auch in der Umsetzungsphase begleitet worden seien, hätten bei einem Qualitätsbarometer angegeben, dass sie „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ gewesen seien. Dies betonte Schneider und verwies auch auf das Schwester-Förderprogramm „go-innovativ“.

Wettbewerbsvorteile durch Material-Effizienz

Material-Effizienz generiere Wettbewerbsvorteile, sagte Dr. Sönke Voss, Technologie-transferbeauftragter der IHK. Was die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich Material-Effizienz betreffe, existiere immer noch eine große Lücke zwischen dem umfassenden Angebot und der tatsächlichen Inanspruchnahme, berichtete Voss mit Verweis auf Innovationsgutscheine und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Lediglich ein Viertel bis ein Drittel der mittelständischen Firmen nähme eine Förderung in Sachen Forschung und Entwicklung in Anspruch, so Voss. Die IHK biete bei Bedarf eine Erstberatung an und unterstütze auch bei der Suche nach Forschungspartnern.

www.weingarten.ihk.de

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