Ravensburg | 19.06.2009
Mit dem Slogan „mit Kurzarbeit die Krise meistern“ werben Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der gegenwärtigen Wirtschaftskrise für den Einsatz von Kurzarbeit, wenn Aufträge fehlen. Damit sollen Entlassungen so lang wie irgend möglich vermieden werden.
Viele Betriebe in der Region machen davon Gebrauch. Seit Oktober vergangenen Jahres haben 650 Firmen für rund 31 000 Mitarbeiter vorsorglich Kurzarbeit angemeldet. Die hohe Inanspruchnahme spiegelt sich bei den Ausgaben für Kurzarbeitergeld wider. In diesem Jahr hat die Agentur für Arbeit Ravensburg bis Ende Mai rund 8,3 Millionen Euro ausgezahlt. Im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum gerade mal 170 000 Euro gewesen.
Bei einem Pressegespräch im Werk 2 der ZF Friedrichshafen AG (ZF) warb die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ravensburg, Gabriele Kreiß, dafür, die Zeiten der Kurzarbeit für die Weiterbildung der Mitarbeiter zu nutzen. Der demographische Wandel und der sich abzeichnende Fachkräftebedarf machen nach ihrer Meinung vor der Krise nicht halt. Weiterbildung „on the job“ helfe, gutes Personal zu halten, das sonst unwiederbringlich verloren wäre und beim nächsten Aufschwung mit großem Aufwand gesucht und für teures Geld eingearbeitet werden müsste. „Ich kenne keinen Betrieb, der die guten Möglichkeiten der Qualifizierung so intensiv nutzt wie die ZF Friedrichshafen AG “, sagte Gabriele Kreiß. Die BA beteilige sich aber nicht nur an den Weiterbildungskosten der Großbetriebe. Das Programm sei gerade auch für kleinere Betriebe interessant. Ihr Rat: Dem Beispiel von ZF folgen und die eigenen Mitarbeiter für den nächsten Aufschwung fit machen. Qualifizierung ist das beste Fitness-Programm für die Zeit nach der Krise, meint Gabriele Kreiß.
Neben den Unternehmen profitiert jede einzelne Arbeitnehmerin und jeder einzelne Arbeitnehmer von der Qualifizierung während der Kurzarbeit. Sie erhalten die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, wenn sie in der entfallenen Arbeitszeit an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Sie erwerben Zusatzqualifikationen, die ihre persönlichen Aufstiegschancen erhöhen, und verbessern dadurch gezielt ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die geförderten Maßnahmen reichen von Computer- über Fachenglischkursen bis hin zum Erwerb eines Gabelstaplerscheins.
Mit zusätzlich durch die Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellten Mitteln werden bis Ende 2010 gering qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Berufsabschluss ebenso gefördert wie Beschäftigte, die bereits mehr als vier Jahre eine Tätigkeit ausüben, für die sie keinen Berufsabschluss haben. Aber auch qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in ihrem gelernten Beruf arbeiten, erhalten Fortbildungen, in denen sie berufsbezogenes Wissen erlernen. Sie haben zudem die Möglichkeit, Qualifikationen zu erwerben, die sie auch in anderen Berufsfeldern auf dem Arbeitsmarkt einsetzen können, so beispielsweise Fremdsprachenkenntnisse.
Die Agentur für Arbeit erstattet aus den zusätzlich aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellten Mitteln 25 bis 80 Prozent der Lehrgangskosten - abhängig von der Art der Qualifizierung, der Betriebsgröße und der Personengruppe. Firmen, die nähere Informationen brauchen sollen sich an den Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen wenden (Telefonnummer 0 18 01 66 44 66*). * 3,9 Cent aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend.
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