Friedrichshafen/Bodensee | 03.08.2010
Blogs, Chats, Wikis und Co.: Wie reagieren Firmen und speziell auch die Chefetagen auf neue Medien? Dieser Frage sind Studenten der Dualen Hochschule Ravensburg mittels einer Studie nachgegangen.
Sie führten dazu 77 Interviews. Gesprächspartner waren etwa zur einen Hälfte Führungskräfte aus Unternehmen der Region Bodensee-Oberschwaben und zur anderen Hälfte Studierende mit Praxiserfahrung.
Ob alt oder jung, Chef oder Praktikant: Am Internet kommt im Arbeitsalltag heutzutage keiner vorbei. Alle 77 Befragten nutzen das Netz. Und es verwundet auch nicht, dass die Häufigkeit und die Dauer mit dem Alter abnehmen. 60 Prozent der über 55-Jährigen kommen mit bis zu drei Stunden Internet pro Woche aus. Darüber können die 34 Prozent der unter 25-Jährigen, die mehr als zehn Stunden wöchentlich im Internet verbringen, nur lächeln. Dieser rote Faden zieht sich durch die gesamte Studie: Jüngere Mitarbeiter mit weniger Führungsverantwortung nutzen neue Medien wesentlich intensiver.
Manch eine Führungskraft mag sich bei den Interviews der Studenten erstaunt die Augen gerieben haben, welche Fülle an Möglichkeiten das Internet ihrem Unternehmen bieten würde. Johnny Walker etwa lieferte das beste Beispiel für eine spielbezogene Werbung: Das Moorhuhn-Spiel wurde zum Kult und sollte für die Whiskey-Marke werben.
Man kann Wissensdatenbanken (Wikis) nutzen, chatten, bloggen oder gar im Web 2.0 eine Fanseite für sein Produkt betreiben.
Der Haken an der Geschichte:
Zumindest im geschäftlichen Bereich wird das Potenzial der neuen und sozialen Medien oftmals unterschätzt, wie die Studenten am Ende ihrer Studie resümieren. Prof. Dr. Udo Klaiber, von dem die Untersuchung betreut wurde, ergänzt: „Grundsätzlich bestätigte sich unsere Hypothese nicht, dass große Unternehmen die neuen Medien wesentlich intensiver nutzen.“
Erhebliche Unterschiede
Was die Nutzung der neuen Medien im Speziellen angeht, gibt es zudem erheblich Unterschiede. Allseits geschätzt wegen der schnellen Erreichbarkeit sind inzwischen SMS und MMS. Social Networks dagegen, die in aller Munde sind, werden geschäftlich kaum genutzt (70 Prozent selten oder nie), privat dagegen sehr wohl (68 Prozent mehrmals wöchentlich). Nur neun Prozent der Unternehmen gaben an, Social Networks einzusetzen – in erster Linie zur Anwerbung von Mitarbeitern, zur internen Kommunikation und zur Kundenbindung. Als Gründe gegen die Nutzung neuer Medien werden unter anderem der Mangel an Seriosität, die Preisgabe persönlicher Daten und der hohe Zeitaufwand genannt.
Zukunft:
Auch wenn neue Medien in den befragten Firmen oft noch keine große Rolle spielen, sehen die Befragten doch zumeist großes Potenzial für die Zukunft. 73 Prozent der Befragten etwa glauben fest daran, dass der Stellenwert von Social Networks wie Facebook in der Zukunft zunehmen wird. Ähnliche Zuversicht herrscht, was Wikis und Internettelefonie angeht. Man darf also gespannt sein auf die Entwicklung, wenn eine nächste Generation in neuen Medien erprobter Berufsanfänger in die Führungspositionen kommt.