
Prognos-Gutachten – Zukunftsfähigkeit des Landkreises Biberach bis 2030“
Der Kreis läuft Gefahr, die Entwicklung zu verschlafen – so die Angst bei der Versammlung des Ortsvereins. Denn das Prognos-Gutachten zur wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit Biberachs fällt zwiespältig aus.
„Gut, wenn das von außen einer bestätigt“, hat es der Biberacher Oberbürgermeister Thomas Fettback auf den Punkt gebracht. Bei der Veranstaltung zum Prognos-Gutachten über die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Landkreises Biberach waren sich die rund 20 Anwesenden einig: Die derzeitige politische Mehrheit im Landkreis ruht sich auf ihren Lorbeeren aus.
Die Stärken des Landkreises Biberach
Kreis- und Stadtrat Franz Lemli listete einige der Stärken der Region auf: Im Landkreis Biberach seien jeweils 18 Prozent der Beschäftigten in den starken Zukunftsbranchen Gesundheit und Maschinenbau beschäftigt. „Zwar sehen die Gutachter ein momentanes Konjunktur-Problem, aber beim Maschinenbau sind wir strategisch so gut aufgebaut, dass man für die Zukunft, besonders bei der Nachfrage aus dem Ausland nach Technologie für erneuerbare Energien, keine Sorgen zu haben braucht.“
Auch im Gesundheitswesen sei der Bedarf da. Doch die Frage, wer die Leistungen künftig bezahlt, ist noch unklar. „Wir als SPD sehen die Gefahr, dass sich bald nur noch Leute mit gutem Einkommen eine anständige Gesundheitsversorgung werden leisten können“, kommentierte Lemli die Gesundheitspolitik der derzeit Bund und Land regierenden Kräfte.
… und seine Schwächen
Keine Aussagen trifft das Prognos-Gutachten zu den Bereichen Dienstleistungen und Landwirtschaft. Umso deutlicher werden die Wissenschaftler dagegen bei den Hindernissen für eine zukunfts-orientierte Entwicklung: Ein zu geringes Kulturangebot und „mangelnde Offenheit gegenüber Regionsfremden“ stellten sie fest. Gleichzeitig gebe es einen ausgeprägten Lokal-Patriotismus.
„Leute aus der Wirtschaft sagen, wir brauchen dringend Fachkräfte, die wir jetzt heranbilden müssen, nicht erst in zehn Jahren“, erklärte der SPD-Kreisrat, „und da müssen wir den westlichen Landkreis um Riedlingen, Bad Buchau und Bad Schussenried mitnehmen, das ist eine zentrale Herausforderung.“ Biberach als Motor reiche da nicht aus.
Biberach als Anstriebsmotor
Diesen Motor stärker als solchen wahrzunehmen, forderte Biberachs OB Fettback: „Wir müssen handeln als ländlicher Raum, Städte und Umlandgemeinden zusammen und dürfen nicht in der Abstandshaltung verharren.“ Die Städte ihrerseits müssten sich als Dienstleister fürs Umland begreifen. „Angesichts des Fachkräftemangels müssen wir uns als Bildungsregion auf den Weg machen und die kulturelle Zusammenarbeit stärken, und ans Biberacher Integrationskonzept könnte sich der Landkreis anhängen“, schlug Fettback vor. Dann erst können die vom Prognos-Gutachten herausgearbeiteten Stärken wirklich in die Zukunft wirken: hohe Lebensqualität, arbeits- und wertorientierte Mentalität, Zukunftsbranchen sowie kurze und schnelle Entscheidungsstrukturen bei den Weltfirmen, Mittelstands- und Kleinunternehmen.
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