Biberach | 18.05.2010
Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg SÜDWESTMETALL stellte am Montag die Ergebnisse seiner alljährlichen Wirtschaftsumfrage vor, die er im Frühjahr unter seinen Mitgliedsfirmen durchgeführt hat.
Die Bezirksgruppe Ulm des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg SÜDWESTMETALL betreut in der Region Ulm, Biberach und Alb-Donau 61 Unternehmen mit rund 35.700 Mitarbeitern. „2009 war ein Jahr, das von der Krise stark geprägt war. Die Unternehmen mussten im Schnitt Umsatzeinbrüche von 23 Prozent verkraften. Einzelne sogar von 80 Prozent“, sagte Thomas Handtmann, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ulm und Geschäftsführer der Albert Handtmann Holding GmbH & Co. KG in Biberach. „Ein Umsatzrückgang wie diesen hat es zuvor noch nie gegeben. Gleichwohl ging die Beschäftigtenzahl nicht so stark zurück, sondern verringerte sich nur um 5,5 Prozent.“ Diesen Punkt hob Götz Anselm Maier, seit April neuer Geschäftsführer von Südwestmetall Ulm, nochmals hervor. „Es kann uns stolz machen, dass die Metall- und Elektroindustrie als Rückgrat unserer heimischen Wirtschaft an der Sicherung der Stammbelegschaften festgehalten hat, das zeugt von einer großen Einsatzbereitschaft von Arbeitgebern wie Arbeitnehmervertretern.“
Exporteinbußen
Der Umsatzrückgang sei fast ausschließlich auf den Export zurückzuführen, konkretisierte Mario Trunzer, Geschäftsführer der Liebherr-Werk Ehingen GmbH und stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe Ulm. „Der Export brach um 40 Prozent ein, die Exportquote verringerte sich damit von 58,3 Prozent im Jahr 2008 auf 44,8 Prozent“, ergänzte Trunzer. „Die Inlandsnachfrage war 2009 gut, nun kann ein Wachstum nur über den zunehmenden Export funktionieren“, machte Trunzer deutlich. Märkte wie China, Brasilien oder Saudi Arabien wären auch im vergangenen Jahr sehr stark aufgestellt gewesen. Bei den USA und Russland dagegen waren ebenfalls starke Rückgänge zu verzeichnen. Russland zöge bereits aber wieder kräftig an, so Trunzer.
Bei der Auftragsentwicklung habe sich die Lage aktuell aufgehellt. Für die kommenden sechs Monate gingen sogar 57 Prozent der abgefragten Mitgliedsunternehmen von seiner Steigerung aus, weitere 30 Prozent erwarteten hier eine noch eine gleichbleibende Auftragslage. Zwar ging das Investitionsvolumen in der Fläche um 32,5 Prozent zurück, dennoch flössen mit 180 Millionen Euro immer noch viele Euros in unsere Region, zu Handwerkern, Baufirmen, Architekten, etc. „Wir liegen damit auch in der Region noch deutlich über dem Niveau von 2005, und der Index verrät hier wieder eine Trendwende“, sagte Maier. „Letztlich haben die Unternehmen aber auch in die Belegschaft, nämlich die Sicherung und die Qualifizierung investiert und – ganz entscheidend – auch in Innovationen, die wiederum die Beschäftigung von morgen ist“, fügte er hinzu.
Sicherung von Arbeitsplätzen
Bei der Beschäftigungsentwicklung konnten die Firmen überwiegend ihren Schirm über die Beschäftigten spannen und Entlassungen verhindern. Entscheidendes Instrument sei die Kurzarbeit gewesen. „Hier hat der Gesetzgeber eine sinnvolle Regelung gefunden“, sagte Thomas Handtmann. „Uns allen ist bewusst, dass man die Stammbelegschaft halten muss, um für einen möglichen Aufschwung gerüstet zu sein“, ergänzte Mario Trunzer. „Der Abbau von 1681 Arbeitsplätzen im Gesamtverbund ging weitgehend ohne Entlassungen von statten, vielmehr liefen befristete Verträge aus oder es wurde beispielsweise die Form des Vorruhestands gewählt.“
Beim Thema Kurzarbeit sei in der Umfrage bemerkenswert, dass zum aktuellen Zeitpunkt „kein Unternehmen plane, das Instrumentarium neu zu starten“, sagte Maier. Die Quote der Zeitarbeitnehmerging krisenbedingt stark zurück und hat aktuell wieder den Vorjahreswert eingenommen – 4,91 Prozent.
Sehr gute Ausbildungsquote
Die Unternehmen versuchten auch im Jahr 2010 ihre sehr gute Ausbildungsquote weiterhin hoch zu halten. „Das ist ein positives Signal, dass wir aussenden können: Die Ausbildungsquote bleibt stabil und ist für uns ebenfalls als Investition in die Zukunft zu sehen“, sagte Mario Trunzer. Derzeit werden 1942 junge Menschen von der regionalen Metall- und Elektroindustrie ausgebildet. Die Quote für 2009 ist mit 5,3 Prozent rein rechnerisch sogar etwas gestiegen. Jährlich erhalten rund 650 junge Menschen einen Ausbildungsplatz in der heimischen M+E-Industrie.
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